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Das kommt nicht zurück. Das war schon immer da!
GUTE ALTE SACHEN

Ein ganz bestimmter Zauber trat stückchenweise wieder auf: Vor Jahren suchte ich eine Kitatasche für meine Tochter, als ich bei den Stoffreste veredelnden Schneiderinnen von »Glaube und Wahrheit« am Helmholtzplatz auf ein Stück verarbeitete Apfelbettwäsche aus den 70ern stieß …

 

Alle Taschenvorstellungen waren sofort ad acta gelegt, DIE musste es sein. Damals muss es vielen so gegangen sein wie mir, denn Graziela Preiser ließ ihre Motive, wahrscheinlich aufgrund von zig Nachfragen – ähnlich meiner – wieder auflegen. Die Herzchen- und Apfelmuster haben die ersten Kindheitserinnerungen von vielen in den 70ern und 80ern Geborenen ausgekleidet und rundumgeprägt.

Wir hatten auch Kinderhandtücher von Graziela. Es waren ein Auto, zwei Hühner, drei Käfer … nach dem Baden hat uns das durchzählen darauf immer Spaß gemacht. Leider hat sich eine meiner Schwestern die Erinnerung geschnappt und mit in ihren Haushalt integriert. Letztens habe ich den Zauber wiedererlebt, als ich das Motiv in einem Berliner Kinderladen auf Bettwäsche und Tellern entdeckte. Mein Herz sprang viel originaler hoch, als wenn ich nur irgendein gutes Retro-Spielzeug entdecke, es sprang aus persönlicher Kindheitserinnerung sehr hoch.

Das alles ist viel wertvoller als »Generation Golf« lesen und den schönen Erinnerungen nachhängen: Die Apfelbettwäsche oder die erste Eisenbahn von Märklin sind echt und zu haben. Stundenlang haben wir die realitätsgetreu nachgebildeten Züge beobachtet, die Landschaft, die wartenden Menschen, die Geräusche, eine Erinnerung an tiefes Versunkensein im Spiel. Die Mini Märklin Welt war faszinierend und beruhigend zugleich. Heute wissen wir: Diese Flow-Momente im Spiel fördern die Konzentrationsfähigkeit, geben Sicherheit weil die chaotische Außenwelt für einen – hoffentlich möglichst langen – Moment ausgeblendet ist. Bei Zunahme von ADS und Medienterror wird dieser Teil des Spielens immer wichtiger.

Ein überzeugendes Beispiel ist mein früherer Kollege, ein innovativer Produktmanager für Telekommunikationsanlagen, dessen Technikinteresse schlicht durch viele intensive Flow-Phasen im Spiel mit Fischer Technik Bausätzen entstanden ist.

All diese nach wie vor sinnvollen Spielzeuge fallen uns nicht sofort ein, wenn wir unseren Kindern etwas schenken wollen. Wir werden von einer rosa Plastikwelt angefallen, wenn wir einkaufen gehen, von vermeintlichen Must haves unserer Bekannten beeinflusst, oder von computerspielenden Freunden unseres Nachwuchses bei diesem überstimmt.

Warum neigen wir dazu, uns dem neu-ist-besser hinzugeben, obwohl wir uns an die Qualität beim berühren, den konzentrierten Spielflow beim Aufbau, Umbau und beobachten der kleinen Märklin Eisenbahn erinnern können?

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Wir trauen unserer Kindheit nicht über den Weg. Durch psychologische und pädagogische Forschungsergebnisse und Ratgeber, die uns Erziehungsfehler unserer Eltern und Großeltern weismachen, sind wir die größten Kritiker unserer eigenen Kindheit geworden. 

Klar, vieles was uns passierte soll aufgrund »neuerer pädagogischer Erkenntnisse« (Oder war damals schon alles bekannt? Auch rauchen schadet schon immer gewusst der Gesundheit) unseren Kindern nicht widerfahren: Täglicher TV-Konsum von Vorabendserien war normal – »Ein Colt für alle Fälle«, das »A-Team«. Heute setzen wir unsere Kinder so selten wie möglich und wenn, dann mit absolut schlechtem Gewissen vor den Fernseher.

Aber mit den schlechten schmeißen wir auch alle guten Erinnerungen gleich über Bord. Durch die Abwertung der eigenen Kindheit und die durch ständigen Konsum von Trends künstlich aufgezwungenen Unterschiede wie wir es als Eltern machen, ist einiges an unnötigem Stress entstanden.

Kulturen in denen Eltern sich in ihrem Verhalten nicht ständig selbst hinterfragen, sondern mit in sich ruhender Selbstsicherheit den Kindern das Gute ihrer eigenen Kindheit weitergeben, haben ihre mittlerweile nicht mehr zu übersehenden Vorteile. Die Eltern geben den Kindern Urvertrauen durch feste Regeln und stabile Einstellungen und Werte. Auch in unserer Kindheit war vieles gut, wie es war.

Zum dritten Geburtstag unserer Zwillinge gibt’s die Märklin myworld mit trittfesten Gleisen und kabelloser Fernsteuerung. Begeisterung in allen Altersklassen garantiert und ich werde heimlich gerne mitspielen und nebst Aufbau auch die bekannten Geräusche genießen …

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